Leben ohne Brot

Leben ohne Brot




Dr. Wolfgang Lutz hat mit einer revolutionären Idee in die Diskussion um die optimale menschliche Ernährung eingegriffen.

Vorwort des Autors: 

Die Idee, dass die Kohlenhydrate unsere Zivilisationskrankheiten verursachen könnten, kam mir 1957 als Resultat eigener Überlegungen und lange, bevor ich von V Stefansson hörte. Dieser hatte kausale Zusammenhänge zwischen der Umstellung der menschlichen Ernährung im Neolithikum und unseren Zivilisationskrankheiten vielleicht schon 1921, sicher aber 1946 angenommen. Klinische Beobachtungen über den Einfluss einer kohlenhydratarmen Diät auf Krankheitssymptome gibt es - abgesehen vom Diabetes (Bernhard Knick), den kohlenhydratempfindlichen Hyperlipidämien (Ahrens) und den hypoglykämischen Zuständen (Gyland) - bis jetzt allerdings nur an Fettleibigen, zu deren Behandlung diese Ernährungsweise seit Banting in den angelsächsischen Ländern angewendet wird. 

Dabei erwähnte man gelegentlich günstige Nebenwirkungen, etwa auf den Blutdruck (Pennington) oder auf das Allgemeinbefinden (Robert Atkins). Auf ursächliche Zusammenhänge zwischen „neolithischer Revolution" bzw. den Kohlenhydraten, die damals als Nahrungsmittel entdeckt wurden, und unseren Zivilisationskrankheiten wurde durch John Yudkin (Lancet 1, S.1355, 1963) verwiesen, dessen Arbeiten über Arteriosklerose und Zuckerkonsum schon länger bekannt waren (seit 1936). Damals, 1963, waren bereits meine Arbeiten über Arteriosklerose und Kohlenhydrate, Kohlenhydrate und multiple Sklerose (mit K. Eckel) sowie über Kohlenhydrate und adipöse Jugendliche mit Hinweisen auf die pathogenetische Rolle der Kohlenhydrate bei unseren Zivilisationskrankheiten erschienen. 

Ich habe mir überlegt, ob und wo ich die Resultate meiner Versuche und Erfahrungen an mir selbst und - mittlerweile - vielen tausend Patienten mit den daraus resultierenden Ideen über den Einfluss der Kohlenhydrate auf unsere Gesundheit veröffentlichen sollte. Obwohl sie an entscheidenden Punkten auf festem Boden gegründet sind, waren doch hypothetische Ergänzungen notwendig. Meine Vorstellungen widersprechen in einigen Punkten den heute (noch) geltenden Ansichten, besonders bezüglich der Rolle der Fette bei unseren Zivilisationsschäden. 

Wenn aber ein gedankliches Gebäude fast fertig ist, so dass man den Abschluss zu erkennen glaubt, erscheint es zulässig, es zur Diskussion zu stellen und damit andere an der endgültigen Formgebung zu beteiligen. 

Ich hatte das „Leben ohne Brot", wie der Titel schon vermuten lässt, zunächst für ein breites, gebildetes Publikum geschrieben. Als dann in Gestalt des Selecta-Verlages ein Interessent für einen ärztlichen Leserkreis auf den Plan trat, wurde es auf die wissenschaftlichen Bedürfnisse des Ärztestandes zugerichtet. Von den inzwischen erschienenen mehr als 80000 Exemplaren wurde aber der Großteil von Laien gelesen, so dass es schließlich an der Zeit schien, den Text unter Verzicht auf entbehrliche Gelehrsamkeit so zu verändern, dass er nicht nur den Medizinern, sondern auch den Laien verständlich ist.

Obwohl es eigentlich eine Binsenweisheit ist, dass auch der Mensch einige Zeit hungern, das heißt ohne Kohlenhydrate und nur von Fleisch und Fett (seinem eigenen nämlich) leben kann, konnte die Ernährungswissenschaft von der Möglichkeit eines „Lebens ohne Brot" erst durch den Nachweis überzeugt werden, dass das Hirn, von dem man bisher glaubte, es könne nur von Zucker leben, auch die Abbauprodukte der Fette, nämlich die Ketokörper, verwertet. Diese Erkenntnis könnte einen Wendepunkt weg von den Kohlenhydraten und hin zu den Fetten bringen, wie die nächste Zukunft hoffentlich erweisen wird. 

Jetzt habe ich unerwartet auch Unterstützung von seiten der Veterinärbiologen in der Gestalt von Prof. Dr. Dr. Jürgen Schole und Prof. Dr. Hans Peter Sallmann erhalten, zwei Professoren für physiologische Chemie an der tierärztlichen Hochschule in Hannover. Sie haben nicht nur über Arteriosklerose experimentiert und dabei das Ergebnis unserer gleichgerichteten Versuche am Huhn bestätigt (dass es nämlich, kohlenhydratarm ernährt, weniger Arteriosklerose hat), sondern sie kamen gleich mit einem ganzen Bündel experimenteller Daten und mit einer Theorie, welche sich zur Erklärung meiner Beobachtungen als außerordentlich fruchtbaerwiesen hat. 

Der Einfluss dieser „ZweiKomponenten-Theorie" war so tiefgreifend, dass das Buch „Leben ohne Brot" ab der 6. Auflage in weiten Teilen grundsätzlich neu gestaltet werden musste. Was dem Laien wohl am meisten einleuchten und ihn am meisten von der Richtigkeit einer Idee überzeugen wird, ist der Versuch an sich selbst. Hier kann ich ein fast sicheres Versprechen geben: Es wird kaum jemand sein, der es einige Zeit mit einem „Leben ohne Brot" versucht hat und der dann nicht festgestellt haben wird, dass sich irgend etwas an ihm zum Guten gewendet hat. 

Der Arzt hat es natürlich noch viel leichter; er braucht diese Ernährungsweise nur in das Repertoire seiner therapeutischen Maßnahmen aufzunehmen und wird dann, wie ich, plötzlich feststellen, dass er wesentlich mehr dankbare Patienten hat als früher. Er wird aber auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Immer wieder werde ich darauf hinweisen, dass die Wirkung einer kohlenhydratarmen Diät auf einen bestimmten Menschen durch zwei gegenläufige Prozesse bedingt ist, nämlich durch die Besserung der Organ- bzw. Gewebsqualität und durch die Anhebung von Kräften, die vom Immunsystem ausgehen und gegen unsere eigenen Organe gerichtet sind („Autoaggression"). 

Da solche Immunkrankheiten in uns schlummern können, ohne dass wir davon wissen, ist es dringend zu empfehlen, eine kohlenhydratarme Diät dann, wenn Beschwerden bestehen oder auftreten oder wenn bereits ein höheres Alter erreicht wurde, unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. 

Da ein „Leben ohne Brot" auch sonst eine Reihe medizinischer Maßnahmen beinhaltet, wende ich mich hier an meine Kollegen, insbesondere an die jüngere Generation meines Berufsstandes, an diejenigen, die, wie die Jugend aller Zeiten, sich von einer neuen Idee faszinieren lassen und bereit sind, dafür das Bisherige über Bord zu werfen. 

Ich hoffe, nein, ich weiß, dass man sich früher oder später auch an den Kliniken und Forschungsstätten vorurteilsfrei mit Fragen der menschlichen Ernährung befassen wird. Und dabei wird sich die Richtigkeit dessen bestätigen müssen, was ich in meiner Praxis seit 40 Jahren und an sicher über 10 000 Patienten sah und was ich in diesem Buch darstelle: dass nämlich trotz aller Schwierigkeiten, die mit einer Ernährungsumstellung bei kranken Erwachsenen vorhanden sein können, oft nur eine kohlenhydratarme Diät in der Lage ist zu helfen, und dass sie darüber hinaus die Grundlage der Prophylaxe unserer Zivilisationskrankheiten ist. 




"Achtsames Essen verbindet uns mit der Nahrung, die uns von der Natur, den Lebewesen und dem Kosmos geschenkt wird, und drückt unsere Dankbarkeit dafür aus."
Thich Nhat Hanh




Happy new Year!


Ich wünsche allen viel Licht, Liebe & Segen auf allen Wegen für das neue Jahr!

"Man sagt, heute sei Neujahr. Punkt 24 Uhr sei die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Aber so einfach ist das nicht. Ob ein Jahr neu wird, liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr. Ob ein Jahr neu wird, liegt an uns. Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken, ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben."

Johann Wilhelm Wilms